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Die kleine Coach

Öffne dein Herz – damit das Leben dich berühren kann

Aktualisiert: 9. Nov. 2022


Immer, wenn die Sprache um das Herz kreist, werden tiefe Gefühle angesprochen Freude, Liebe, Hass, Trauer, Angst, Verzweiflung. Bei Gefühlen der Freude und Liebe wird das Herz weit und warm. Wir öffnen das Herz für ein geliebtes Wesen. Es wird uns warm ums Herz. Bei Trauer, Verzweiflung, Hass und Angst, wird das Herz eng, das spüren wir körperlich. Wir verschießen unser Herz, wir werden engherzig. Und nichts hilft gegen ein versteinertes Herz besser, als herzerweichend zu weinen.


Die deutsche Sprache ist auch da wieder symbolträchtig, wer lange genug gekränkt wird, wird krank. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass, um Krankheiten ganz zu heilen nicht nur der Körper behandelt werden darf, sondern auch immer die Psyche mit heilen muss. Ein krankes Herz benötigt, um ganz gesund zu werden, auch die Heilung der „Herzens“-Gefühle. Der wichtigste Schritt ist in dem Fall: Alle Gefühle zulassen und innere Ruhe finden.


Ich habe noch keinen Menschen, getroffen, der am Herzen erkrankt ist und ein offenes Herz hat. Jedes Herz möchte offen sein, um zu fühlen, und zwar alles. Verschließen wir aufgrund von Verletzungen, Beschämungen, schmerzvollen Erfahrungen unser Herz, kann es auch die schönen Gefühle wie Liebe und Freude nur eingeschränkt oder gar nicht mehr fühlen. Dieses Herz verschließt sich immer mehr und der Mensch fühlt sich anfangs isoliert und freudlos mit zunehmendem Verschluss steigt dann auch das Risiko psychisch wie körperlich zu erkranken.


Allein schon das Empfinden der Isolation ist eines der stärksten Stress-Auslöser. Es entsteht aus der meist unbewussten inneren Einstellung heraus, nicht liebenswert zu sein bis hin zu gar nicht sein zu dürfen. Diese Einstellung beeinflusst wiederum wie wir uns im Kontakt mit anderen Menschen wahrnehmen. Wenn wir uns gehört, gesehen, verstanden, wichtig und wertvoll fühlen erfahren wir Intimität, Entspannung, Freude und Gesundheit.

Den Fluss unsere Gefühle können wir durch körperliche Berührungen, Massagen und Zärtlichkeit auf natürlichem Wege anregen. Auch die verbale Kommunikation von Gefühlen befreit aus der krankmachenden Isolation. Sich mit anderen verbunden zu fühlen, ist somit ein wichtiger Teil des Heilungsprozesses.


Bewusstes Fühlen macht uns lebendig. Überall, wo wir nicht fühlen, ist unsere Lebensenergie und damit unsere Lebensfreude und Lebendigkeit eingeschränkt. Wie aber fühlt man bewusst?

Angenommen du ärgerst dich gerade sehr, und ich sage zu dir: „Du musst deinen Ärger einfach fühlen!“ - dann wirst du mir wahrscheinlich antworten: „Spinnst du? Ich spüre ihn doch schon die ganze Zeit!“... und du wirst fortfahren, über die Situation oder die Person zu schimpfen, worüber du dich ärgerst, und verlangen, dass sie sich ändern sollte. Du richtest deine Aufmerksamkeit also auf das Objekt im Außen, das deinen Ärger geweckt hat.

Wenn ich mich aber bemühe, meinen Ärger bewusst zu fühlen, dann richtet sich meine Aufmerksamkeit nach Innen. Dann spüre ich meinen Atem, meinen Körper, dann erlebe ich bewusst all die Anspannungen in mir, die dieser Ärger auslöst. Und je aufmerksamer ich erforsche, wie sich das in mir anfühlt, desto mehr verschiebt sich meine Identifikation. Bis ich nicht mehr die Person bin, die sich einfach ärgert, sondern jene, die diese Emotion bewusst erlebt. Erst war ich vollständig identifiziert mit dem Ärger - nun bin ich identifiziert mit etwas, das größer ist als der Ärger. Zuerst war ich „purer Ärger“ - jetzt ist auch der Rest meiner selbst wieder eingeblendet. Nun kann ich meinen Ärger aus einer anderen Position heraus betrachten. Mein Herz kann sich diesem Gefühl öffnen, und plötzlich regen sich vielleicht Verständnis und Respekt für meinen Ärger... Durch diese innere Öffnung kann dann der Schmerz auftauchen, der unter dem Ärger lag - das, was mir so wehgetan hat, dass ich mit Ärger reagiert habe - beispielsweise das Gefühl von Ungerechtigkeit, Demütigung oder Ablehnung.


Indem ich diesen Schmerz fühle - ganz bewusst, ganz aufmerksam und vollständig - heile ich mich selbst: Ich entdecke, dass die Ungerechtigkeit, die Demütigung oder die Ablehnung ein schmerzhaftes Gefühl und keine Tatsache ist. Also ich erkenne, dass ich nicht abgelehnt werde, nicht ungerecht behandelt werde oder nicht gedemütigt werde, sondern ich mich abgelehnt fühle, gedemütigt fühle, ungerecht behandelt fühle. Das ist die wichtigste Erkenntnis, die es braucht, um sich seinem Schmerz zu stellen. Ich berühre dieses schmerzhafte Gefühl z.B das Gefühl der Ablehnung mit meinem Atem und meiner Aufmerksamkeit, nehme es in mein Herz und versorge es mit Liebe, Trost, Mitgefühle oder was auch immer dieser Schmerz benötigt, um zu heilen. Wobei mir die Vorstellung von einem inneren Kind, dass sich abgelehnt fühlt sehr bei dem Heilungsprozess hilft. Schau einfach einmal, ob es für Dich auch hilfreich wäre dem Gefühl eine Form zu geben, um ihm mit Mitgefühl, Verständnis, Trost, Barmherzigkeit begegnen zu können.


Wenn Du diesen inneren Heilungsprozess vollzogen hast, ist das ist ein Augenblick der Heimkehr. Die großen Meister oder Bewusstseinslehrer nennen das „Ganzwerdung“. Die Psychologen bezeichnen es nüchterner als „Integration abgespaltener Persönlichkeitsanteile“. Ich als Schamanin nenne es Seelenrückholung. Der Schmerz, ein Teil meiner selbst, den ich vorher ausgeblendet hatte, gehört jetzt wieder zu mir und kann damit vollständig heilen.


Wo ist dieser Ort, an dem Fühlen stattfindet? Um den zu erreichen, muss man die Aufmerksamkeit nach innen richten statt nach außen - sie sozusagen umkehren. Und so geht es in 3 Schritten zum Fühlen

1 Schritt: Anstatt deine Umwelt durch die Brille deiner Gedanken und Emotionen zu betrachten, richte die Aufmerksamkeit in deinen Körper. Das gelingt am schnellsten und mühelosesten, wenn du dich auf deinen Atem konzentrierst – siehe auch Artikel „Die 30 Sekunden Meditation“. Du verlagerst deine Wahrnehmung einfach weg von der Gedankensphäre hin zu deinem Atem - und schon bist du bei dir selber angekommen, in der Gegenwart, spürst deinen Körper, nimmst Sinneseindrücke wahr. Gedanken mögen noch da sein, sie finden aber jetzt auf einer anderen Ebene statt, weil sie keine Aufmerksamkeit bekommen. Sie sind im Moment unwichtig. Das ist der Anfang des Fühlens.


2 Schritt: Aus diesem Zustand der Selbstwahrnehmung heraus kannst du deine Aufmerksamkeit nun auch auf etwas im Außen erweitern - zum Beispiel auf den Raum, in dem du dich befindest, oder auf ein bestimmtes Bild, oder auf eine Landschaft, oder auf eine Musik, ein Lied, ein Gedicht... oder auf einen bestimmten Menschen, den du magst... oder einen, mit dem du Probleme hast... oder auf ein bestimmtes Thema, das dir Kopfzerbrechen oder Ärger bereitet. Beobachte, was sich dabei in deinem Körper abspielt: Immer, wenn du deine Aufmerksamkeit von einer Sache zur anderen oder von einer Person zur anderen verlagerst, wirst du mehr oder weniger subtile Veränderungen sowohl beim Atem als auch im Körper spüren. Wenn du diese ganz feinen Veränderungen klar und deutlich wahrnehmen kannst, dann gehe weiter zum...


3 Schritt: Jetzt beginne zu üben, bei dem jeweiligen Körper- und Atemzustand zu verweilen und ihn kennen zu lernen. Wenn du das aufmerksam und geduldig tust, wirst du in jedem dieser körperlichen Zustände auch ein Gefühl, eine Emotion entdecken. Mit der einen Sache fühlst du dich so, mit der anderen anders, mit einer dritten wieder anders... Fange nicht an zu überlegen, ob dieses Gefühl etwas über dich selbst, die Sache oder die Person aussagt, an die du denkst - je mehr du interpretierst, desto mehr verlagerst du dich wieder ins Denken und entfernst dich vom eigentlichen Fühlen.


Im Laufe der Zeit habe ich die Atemübung nicht nur gemacht, wenn ich schmerzhafte Gefühle hatte, sondern Sie wurde zu einer Grundübung, um mein Bewusstsein zu erweitern. Zusätzlich habe ich noch eine klare Absicht zu formulieren „Ich will alles fühlen was ist“. Diese habe ich auf einen Zettel geschrieben, den ich auf meinen Nachttisch legte. Jeden Morgen und jeden Abend las ich diesen Satz. Um mich an die Atembeobachtung immer wieder zu erinnern, malte ich mir 3 Punkte an die Innenseite meines Handgelenkes und immer, wenn ich diese sah machte ich die Grundübung. Sie ließ mich innerhalb eines Jahres bei mir ankommen, in der Gegenwart, in meiner Körperwohnung, der Ort wo mein kleines Ich und mein großes Ich zu Hause sind – dort wo Fühlen stattfindet!


Wirst du jetzt von deinen Gefühlen beherrscht? Nein - Fühlen in diesem Sinne bedeutet ganz etwas anderes, als von Gefühlen beherrscht zu sein. Überschießende Emotionen sind sozusagen Sekundärgefühle, entstanden durch unsere eigenen Gedanken (anstelle des ursprünglichen Fühlens, was eine Art reiner Wahrnehmung ist). Zum besseren Verständnis ein letztes Beispiel:

Ich bin wütend auf dich, weil du mein Verhalten kritisiert hast. Meine Wut beherrscht mich - ein äußerst unangenehmer Zustand. Deshalb sinne ich unentwegt darüber nach, wie ich diesen Zustand ändern kann: Ich könnte mich rächen und dich auf deine eigenen Fehler hinweisen, in der Hoffnung, dass ich mich dann wieder gut fühle - ich könnte es „schönreden“, indem ich mir sage, du hättest es ja nicht böse gemeint und überhaupt sei Kritik ja etwas Lehrreiches - ich könnte dich einfach anschreien oder mich betrinken oder dorthin auswandern, wo mich niemand mehr kritisiert und mich alle so nehmen, wie ich bin... Was immer ich auch denke oder tue, während ich wütend bin - es geschieht aus einer Art Besessenheit heraus. Ich bin besessen von meiner Wut.

Die Wut bezieht sich in Wirklichkeit aber gar nicht auf dich, sondern auf mein eigenes Gefühl. Ich fühle mich nämlich schlecht, schuldig oder minderwertig, wenn jemand mich kritisiert. Und dieses Gefühl kann und will ich nicht fühlen, weil ich es unbewusst für eine Tatsache halte. Das heißt, dein Verhalten aktiviert einen meiner negativen Glaubenssätze über mich selbst, den mein kleines Ich (mein inneres Kind) irgendwann in ferner Vergangenheit geprägt hat. „Ich bin schlecht.“ „Ich bin nichts wert.“ ... oder Ähnliches. Das kann und will ich gar nicht fühlen, denn es ist eine existenzielle Katastrophe, wertlos zu sein.


Wenn ich mir aber bewusst mache, dass ich nicht wertlos bin, sondern sich mein inneres Kind wertlos fühlt, kann ich mein Herz für diesen Anteil in mir, der sich so fühlt öffnen. Sobald ich es fühle, berührt es mein Innerstes, und mein großes Ich (meine Essenz) wird reagieren - mit einer Regung von Mitgefühl, Erbarmen, Respekt, Verständnis oder was immer mein inneres Kind vom großen Ich braucht. Jedes Mal, wenn so etwas geschieht, vollzieht sich eine große innere Wandlung. Von jemandem, der unbewusst davon überzeugt war, wertlos zu sein, verwandle ich mich in jemanden, der sich wertlos fühlt und dafür Mitgefühl, Trost, Erbarmen und Verständnis hat. Was für ein Unterschied! Man muss ihn erlebt haben, um zu verstehen, dass dies der alles entscheidende Unterschied ist in unserer Beziehung zu uns selbst, unseren Mitmenschen und unserem Schicksal.


Nun, da mein Herz offen ist für mein eigenes Gefühl, ist es auch offen für andere. Jetzt kann ich auch den Menschen wahrnehmen, der den Ärger in mir ausgelöst hat; ich kann fühlen, wie er sich fühlt, ohne eine eigene emotionale Reaktion davor zu schieben. Ich kann mit dem Herzen sehen und die Wahrheit erkennen. Diese könnte lauten: Der Andere war, als er mich kritisierte, von irgendeinem Ärger beherrscht oder er empfand mein Verhalten ebenfalls herabwürdigend oder verurteilend oder ich habe auch im Anderen ein Gefühl von Schlechtigkeit oder Minderwertigkeit ausgelöst...

Nun kann ich auch der anderen fühlenden Person mein Herz öffnen, ohne dass es mir wehtut oder mich schädigt - im Gegenteil, es berührt mich und ist letztlich ein schönes Erlebnis. Das Erlebnis von Mitgefühl und Liebe.


Bewusstes Fühlen eint uns, bringt unsere verschiedenen Schichten zusammen und verschafft uns ein Gefühl von Ganzheit und Lebendigkeit - und zwar unabhängig davon, was wir fühlen und wie wir uns fühlen.

Für mehr zu der Methode körperzentrierte Herzensarbeit empfehle ich Dir die Bücher von Safi Nidiaye

• Den Weg des Herzens gehen

• Wieder fühlen lernen

• Gefühle sind zum fühlen da 



Hast Du Fragen zu dem Artikel dann rufe mich einfach an oder möchtest Du dich begleiten lassen auf deiner Reise dann buche hier dein Klärungsgespräch mit mir.


Möge Dein Herz sich für all das, was in der Welt deines kleinen Ich‘s ist, öffnen! 


Namasté Anja



Anja Wendt

Telefon: 0174 983 21 38



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